Der Schweizer Bundesrat hat am 16. Mai 2012 die Kreditbotschaft über die Teilnahme der Schweiz an der Weltausstellung 2015 in Mailand zum Thema Ernährung genehmigt.
Calmy-Rey war schon 2011 vorgeprescht und hatte für die Schweiz als erstes Land weltweit die Zusage für den Anlaß unter dem Titel „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“ gegeben.

Expo-Weltausstellung 2015 in Mailand: Die Schweiz zückt das Scheckbuch
Das Gesamtvolumen von Zahlungen nach Italien beträgt 23,1 Millionen Franken, wovon ein Anteil von 8 Millionen Franken möglicherweise mittels Sponsoring getragen werden soll, heißt es, und der Bundesrat rechtfertigt die exorbitanten Geldmittel für Italien mit den Worten:
Für die Schweiz ist die Weltausstellung 2015 aufgrund der geographischen, kulturellen und wirtschaftlichen Nähe zu Italien von zentraler Bedeutung.
Bundesrat: “Einmalige Möglichkeit, den Italienern die Schweiz vorzustellen”
“Der Schweizer Auftritt unter der Leitung von Präsenz Schweiz im EDA stellt eine einmalige Möglichkeit dar, die Schweiz mit ihrer kulturellen und landschaftlichen Vielfalt, ihrer Forschungskapazität und Innovationskraft sowie ihrem wirtschaftlichen Potential vorzustellen“, heißt es, als ob kein Italiener die Schweiz kennen würde.
Mit von der Partie ist viel Gutmenschen-Ideologie und Entwicklungshilfe-Mantra. Kein Wunder also, daß das EDA Feuer und Flamme für den Anlaß ist.
Seit etlichen Jahrzehnten werden die kontroproduktiven – laut Ansicht vieler afrikanischer Persönlichkeiten sogar schädlichen Entwicklungshilfegelder ausgedehnt -
Das EDA belehrt und dazu, warum Entwicklungshilfe angeblich notwendig sein soll gleich mit erhobenen Zeigefinger in der Mitteilung zur Expo 2015: “Das Recht auf eine ausreichende, sichere und gesunde Ernährung stellt weltweit eine große Herausforderung dar, welcher sich die Schweiz auch stellt, sei es mit Forschungs- und Entwicklungsvorhaben oder mit Aktivitäten der Landwirtschafts- und Nahrungsmittelindustrie.”
Monsanto und Co. dürfen sich also freuen. Auch Bayer AG bzw. neu Denglisch “Bayer CropSciences” und andere Agrar-Globalisierungskonzerne, welche eine äußerst umstrittene Rolle in der Dritten Welt und in der Agrarwirtschaft (Monokulturen, Patentierung von Pflanzen, Monopolisierung) spielen, dürften jubeln ob solcher Äußerungen des Schweizer Bundesrates.
Für den Bundesrat spielt die Weltausstellung im Nachbarland Italien eine zentrale Rolle. Das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2011 auf rund 35 Milliarden Franken.
Das soll also die Millionenzahlungen rechtfertigen. Warum überweist Italien dem wichtigen Abnehmerland Schweiz nicht einmal Millionen für irgendeinen Schweizer Anlaß?
Das Gesamtgeld für die Schweizer Teilnahme beträgt 23,1 Millionen Franken. 21 Millionen sind für die Planung, den Bau, den Rückbau und den Betrieb des Pavillons vorgesehen. Für das Begleitprogramm in Italien von 2013 bis 2016 und die Kommunikationsmaßnahmen sind rund 2 Millionen Franken gebucht worden. 8 Millionen Franken sollen über Drittmittel aus der Privatwirtschaft, den Kantonen und den Städten beschafft werden.
Nebulös heißt es hierzu, daß die hinsichtlich ihres Nutzens umstrittene, von Steuergeldern unterhaltene Planwirtschaftsorganisation “Präsenz Schweiz” bereits Zusagen für wichtige Engagements erhalten habe.
Die Kantone, Tessin, Graubünden, Wallis und Uri, sowie die Städte Basel, Genf und Zürich haben unter Vorbehalt der Zustimmung der jeweiligen Parlamente zugesichert, daß sie im Schweizer Pavillon auftreten werden. Einige Unternehmungen haben bereits zugesichert, den Aufritt der Schweiz in Mailand finanziell zu unterstützen. Andere Firmen (wer, wird nicht mitgeteilt) haben ihr grundsätzliches Interesse daran angekündigt. Sie wollen sich nach dem Entscheid der eidgenössischen Räte über die vorliegende Kreditbotschaft definitiv festlegen.
Mit dem Schweizer Auftritt in Mailand möchte die Schweiz ihren Bekanntheitsgrad in Italien erhöhen, sülzt der Bundesrat. Also scheint nach Ansicht des Bundesrats die Schweiz in Italien wirklich ein gänzlich unbekanntes Gebiet zu sein. Solche Mittel, wie hier ausgeschüttet, wären doch besser aufgehoben, den Bekanntheitsgrad der Schweiz in Gebieten zu erhöhen, von denen die Schweiz profitieren kann, etwa im Tourismus. Warum solche Mittel nicht nach Japan oder nach China oder in andere florierende asiatische Länder fließen lassen, sondern nach Mailand, direkt vor der Haustüre der Schweiz?
Der Bundesrat erhofft sich von den Geldmitteln für die Weltausstellung 2012 in Mailand, “die bilaterale Zusammenarbeit sowohl in der Infrastruktur, wie auch in anderen Wirtschafts- und Politikbereichen, insbesondere im Nahrungsmittelsektor stärken.”
Zweifelhaft: Lieb-Kind-machen als Dank für Anti-Schweiz-Hetze?
Der Bundesrat will nach den aggressiven Erpressungen beim ERpresser “Lieb-Kind” machen. Nachdem durch die laufende Hetze das Ansehen der Schweiz beschädigt ist, soll der Hetzer also Geld erhalten:
“Die Schweizer Teilnahme wird dazu beitragen, ein vielfältiges Bild der Schweiz zu vermitteln und ihre Stärken deutlich aufzuzeigen.”, heißt es weiter, und: “Eine 2011 durchgeführte Studie zum Ansehen der Schweiz in Italien hat gezeigt, daß die Beurteilung der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern kritischer ausfällt und das Bild stark von Klischees geprägt ist.”
Der Schweizer Pavillon
Präsenz Schweiz hat am 19. August 2011 einen anonymen zweistufigen Wettbewerb ausgeschrieben, um Konzepte für die thematische Ausrichtung des Schweizer Pavillons einzuholen. Der Wettbewerb stieß auf großes Interesse. Es wurden 103 Projekte eingereicht. Am 20. Januar 2012 hat das Preisgericht das Projekt „Confooderatio Helvetica“ von netwerch GmBH in Brugg zur Realisierung an der Weltausstellung 2015 in Mailand gewählt.
Die innovative Architektur und die eindrückliche Umsetzung des Ausstellungsthemas haben das Preisgericht überzeugt. Im Zentrum des Siegerprojektes steht die weltweite Verfügbarkeit und Verteilung von Lebensmitteln, sie regt die Besucher an, über das eigene Konsumverhalten nachzudenken.
Kosten für Expo in Mailand in Wahrheit exorbitant höher
Präsenz Schweiz wird das Projekt mit den Verfassern und den zahlreichen betroffenen Bundesämtern, und Institutionen (DEZA, BAG, BLW, SECO, Schweiz Tourismus, usw.) mit dem Ziel weiterentwickeln, in Bezug auf die Ernährungsthematik eine attraktive, solidarische und verantwortungsvolle Schweiz zu präsentieren, so vernimmt man weiter im Zuge der aktuellen Mitteilung.
Also dürften die versteckten Kosten für die Expo 2015 in Wahrheit wohl weitaus höher liegen:
Denn wenn so zahlreich Bundesämter und Institutionen mit der Expo in Mailand befaßt sind, glaubt doch kein Mensch, daß dies gratis geschieht? Oder seit wann arbeiten Beamte kostenlos?
Mit der Planung des Pavillons wird 2013 begonnen, sobald das Parlament den vorliegenden Kredit zur Teilnahme der Schweiz an der Weltausstellung genehmigt hat. Der Schweizer Pavillon befindet sich an einer guten strategischen Lage in unmittelbarer Nähe der italienischen Pavillons. Neben der Ausstellung zum Expo-Thema sind auf insgesamt 4433 Qm. Fläche Ausstellungsmodule für Partner, ein Restaurant, ein Bereich für die Sponsoren und eine Verkaufsfläche vorgesehen. “Kantone, Städte und die Schweizer Privatwirtschaft werden vom Schweizer Auftritt profitieren”, sind Bundesrat und EDA überzeugt.
Das Begleitprogramm „Verso l’Expo Milano 2015“
Um eine nachhaltige Präsenz der Schweiz in Italien zu gewährleisten, ist vor, während und nach der Weltausstellung 2015 in Mailand ein Schweizer Rahmenprogramm mit dem Namen „Verso l’Expo Milano 2015“ vorgesehen. Dieses wird im Zeitraum 2013-2016 durchgeführt.
Mit Geld bilaterale Beziehungen stärken?
Das Rahmenprogramm zielt darauf ab, die bilateralen Beziehungen zu stärken.
Die Schweiz soll mit ihrer Innovationskraft und ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt stärker in das Bewußtsein des italienischen Publikums rücken. Es ist geplant, das Programm der im Zuge des Buches “Der Kulturinfarkt” zu unrühmlicher Bekanntheit gelangten Pro Helvetia „Lombardia transalpina 2014“ als wichtiges Element in dieses Rahmenprogramm zu integrieren.
“Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2016 bietet auch eine wertvolle Plattform, um die enge Zusammenarbeit im Rahmen der Weltausstellung fortzusetzen”, hofft der Bundesrat.
Der neue Generalkommissär Dante Martinelli
Der Bundesrat hat Botschafter Dante Martinelli zum neuen Generalkommissär für die Schweiz an der Expo Milano 2015 ernannt. Dieser übernimmt die Aufgabe, die Schweiz gegenüber den Organisatoren der Expo, den italienischen Behörden und den anderen teilnehmenden Ländern zu vertreten.
Er tritt die Nachfolge von Roberto Balzaretti, der ab August 2012 seine neue Tätigkeit als Schweizer Botschafter an der Schweizer Mission in Brüssel aufnehmen wird. Der Bundesrat bedankt sich bei ihm für die in seinem Augen ausgezeichnete Arbeit und den großen Einsatz zugunsten der Schweiz.